Nachhaltige Fenstergärtenfreuden

Nachhaltige Fenstergärtenfreuden

Mikrogemüse, das ist das Jungkraut von Kresse, Radies, Senf, Grünkohl und vielen anderen Gemüsesorten. In der gesundheits- und fitnessorientierten Küche sind die zarten Keimblättchen gerade sehr gefragt. Sie gelten als hervorragende Vitamin-, Mineral- und Vitalstoffspender, und im Internet kursieren zahllose Anleitungen, wie man die Sprossen selbst ziehen kann. Die Hersteller haben auf den Trend reagiert. Es gibt Anzucht-Sets als Plastik-Dosen mit Samenpads, was aber nicht umweltfreundlich ist – oder Glasschalen und einem Edelstahlsieb als Träger, die aber aufwändig zu reinigen sind. Da verlieren die Fensterbank-Gärtner schnell die Lust.

Komplett kompostierbar

Thomas Träger belebt mit Innovationen das Geschäft des traditionsreichen Samengeschäfts.

Die Mitarbeiter von Carl Pabst haben das Problem erkannt und zu den klassischen Anzuchtsets ein neues Produkt entwickelt: „Bio Microgreens flix-Grün“. Dieses Anzuchtset besteht aus einer Pappschachtel, einem Hanfpad und einer kleinen Samentüte. Die Schachtel ist gleichzeitig die Pflanzschale. Der FSC-zertifizierte Karton wurde 18 Mal mit einer Mikroschicht Stärkelösung überzogen. Dadurch hält er ca. vier Wochen lang das Gießwasser. Nach der Ernte ist das gesamte Set kompostierbar. Es ist keine Mülltrennung nötig, keine aufwändige Reinigung, vor allem entsteht kein Plastikmüll.

„Es ist kein Geheimnis, dass die Umsätze aus dem reinen Samenhandel rückläufig waren. Vielen Menschen fehlt die Muße, Pflanzen zu ziehen. Wir müssen innovativ sein, um diese Menschen auch zu erreichen“, sagt Thomas Träger, der bei Carl Pabst für den Vertrieb zuständig ist. Und so will er mit den Bio-Microgreens eine neue Zielgruppe erschließen: junge Kunden, die auf der Fensterbank in der Küche ihre ersten gärtnerischen Versuche unternehmen. Vielleicht wird ja eine Leidenschaft daraus?

Das Cluster Ernährungswirtschaft des Landes Brandenburg zeichnete diese Idee mit dem Innovationspreis aus. Immerhin wächst die Nachfrage nach Samen und Saaten wieder deutlich und wie das Gärtnern auf dem Balkon tragen auch die „Bio-Microgreens flixGrün“ dazu bei.

Familientradition seit 1855

Carl Pabst Samen & Saaten wurde 1855 in Erfurt gegründet und ist damit das derzeit älteste Unternehmen in der Branche. Das Familienunternehmen wird heute in fünfter Generation durch Caroline Träger geführt. Die 50 Mitarbeiter füllen jährlich 45-60 Millionen Samentüten ab. Diese werden nicht nur unter dem Namen Carl Pabst vertrieben, sondern auch als Eigenmarken bei Rossmann, Rewe, Penny, toom und anderen.

Sehr beliebt sind außerdem Sondereditionen, die Unternehmen als Give-Aways ordern. Fünf Millionen davon verließen 2019 das Unternehmen. Der Renner waren die Blumenmischungen für Bienen und Schmetterlinge, denn alle wollen was für die Bienen und andere Nützlinge tun.

Thomas Träger belebt mit Innovationen das Geschäft des traditionsreichen Samengeschäfts.

Eine frühe Innovation hat die Firma Carl Pabst erfolgreich gemacht: die Einführung der maschinell gefüllten Samentüte 1912, während die Konkurrenz noch Sackware an die Drogerien lieferte. 1930 wurde Carl Pabst damit Marktführer in Deutschland. An diesen Erfolg will das Ehepaar Träger anknüpfen. Thomas Träger sieht zwei Wege: die Optimierung des Vertriebs und die Erleichterung der Gartenarbeit durch weitere „Convenience-Produkte“.

Ein neues davon wird 2020 unter dem Namen „Easy Seed“ auf den Markt kommen. Einfache Saat, das heißt, die Samenkörner sind von einer Schicht aus Ton, Lehm, Stärke und Mineralien ummantelt. Sie werden nicht in den Boden eingearbeitet, sondern großflächig ausgeworfen. Der Mantel bietet Nährstoffe und speichert Feuchtigkeit. Außerdem verhindert er Vogelfraß, Verwehung und das Wegschwemmen. „Easy Seed“-Saatgut gibt es auch als Samenkugeln, zum Beispiel in einer Ostereierpackung, dann wachsen Blumeninseln.

Qualität ist oberstes Gebot

Da nicht nur der Endkunde es bequem haben will, tüfteln die Mitarbeiter von Träger auch ständig an der Optimierung der Verkaufsdisplays für den Einzelhandel. Eine Entwicklung aus dem Hause Carl Pabst ist der Einweg-Drehständer aus Pappe mit einem Holzfuß. Er ist für Drogerien und Lebensmittelhandel bestimmt und kann nach der Saison recycelt werden. Es fallen keine Kosten für die Rücksendung an. Durch die Drehbarkeit können mehr Sorten präsentiert werden, ein Schachtelsystem ermöglicht leichtes Nachfüllen.

Beim Samengroßhändler laufen die Vorbereitungen fürs Frühjahr bereits.

„Früher genügte es, mit Herzblut Samenhändler zu sein: Pabst liefert Qualität, doch das reicht beim hohen Preisdruck in der Branche heute nicht mehr aus. Wir optimieren unser Produkt für den Handel und den Kunden“, sagt Thomas Träger. „Pabst liefert Qualität“ soll aber weiterhin das Bestimmende sein. Darum stehen auf den Carl-Pabst-Samentüten Abfülldatum und Ablaufzeit auf der Packung, bei vielen Wettbewerbern nur die Ablaufzeit. Dann liegen sie oft noch ein zweites oder drittes Jahr im Geschäft, obwohl das Saatgut nicht mehr keimt. Im Sinne des Verbraucherschutzes setzt sich Thomas Träger für eine einheitlich transparente Kennzeichnung der Samentütchen ein.

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